Ganz in der Nähe war zu der Zeit der Gott Odin unterwegs auf einer seiner vielen, langen Wanderschaften. Um von den Riesen nicht erkannt zu werden; hatte er sich verkleidet und nannte sich Bölwerk. Bölwerk schritt gerade an einem warmen Nachmittag über einen Feldweg, als er neun Knechte auf dem Feld erblickte. Sie versuchten das Getreide zu schneiden, doch die Arbeit war unnötig mühsam - denn ihre Sensen waren stumpf wie Butter-Messer. Odin kam zu ihnen und bot sich freundlicherweise an; ihnen ihre Sensen zu schleifen. Da waren die Knechte erst zögerlich - welcher Fremder will denn einfach so anderen die Sense schleifen? Aber schließlich stimmten die müden Arbeiter doch ein und übergaben Odin ihr Gerät - jener zückte aus seiner Tasche einen schimmernden Wetz-Stein und schliff die Sensen geschickt und elegant. Als die Knechte nach einer Weile ihre Gerätschaften wieder an sich nahmen, waren sie scharf wie sonst nichts und zerschnitten das Getreide wie Luft. Da brachen die Knechte in großen Jubel aus und sammelten sich um Odin; feilschend um den magischen Wetz-Stein. Der Gott konnte sich allerdings nicht entscheiden. Also warf er den Stein hoch in die Luft; und wer ihn fing, der sollte ihn behalten. Eine recht schlechte Idee war das, denn wo die neun Knechte alle umher liefen und nach oben starrten, achteten sie nicht darauf, wie sie mit ihren scharfen Sensen umher fuchtelten - und köpften sich allesamt gegenseitig. Plump wie der Stein fielen auch sie zu Boden. Da guckte Odin reichlich verdutzt, nahm den Stein und machte sich flink von dannen...

Beim nächstgelegenen Hof suchte Odin, der sich ja immer noch Bölwerk nannte, Obdach. Der Hof-Herr war der Riese Baugi, der der Sohn des Suttung war. Am reich gedeckten Tisch viel Baugi in tiefe Trauer und berichtete Bölwerk davon, wie all seine Knechte sich gegenseitig umgebracht hatten und er und seine Sippe nun nichts zu Essen hatten. Da begann Bölwerk sich schuldig zu fühlen und bot sich an; die Arbeit zu übernehmen. Der traurige Riese blickte auf und staunte nicht schlecht; doch er willigte ein - was hätte er sonst tun sollen?
Und so quartierte sich Bölwerk auf dem Riesen-Hof ein und schritt jeden Sommer-Morgen hinüber auf die Felder, um sie zu ernten. In einem einzigen Sommer verrichtete er, der wie man hier sieht übrigens auch ein Gott der Ernte ist, die Arbeit von neun Knechten - was die Riesen geradezu sprachlos machte. Riesige Garben und Heu-Berge schleppte Bölwerk ohne große Mühe von den Feldern auf den Hof. Zum Herbst hin hatte ihn die ganze Riesen-Sippe tief in ihr Herz geschlossen, und Bölwerk war Baugis bester Freund geworden. Als die beiden dann an einem kalten, rauen Winter-Abend in der Halle saßen und gemeinsam tranken; da sprach der Riese zu seinem Arbeiter; dass er für seine guten Mühen reich belohnt werden solle. Egal was, Bölwerk möge es sich wünschen, und der Hofherr würde es ihm bringen. Da überlegte der verkleidete Odin kurz... ihm fiel ein; dass er meinte mal gehört zu haben; dass Baugis Vater Suttung einen Trunk besitze, den man "Skalden-Met" nenne, und der aus einem den besten Dichter weit und breit mache. Odin, ein Freund von Dichtkunst und Gesang, wollte also dies als Lohn haben. Da erschrak Baugi - der Met war tief versteckt in den Höhlen unterm Hnitberg; sein Vater würde niemals auch nur einen Tropfen des magischen Trunks heraus geben! Und doch, versprochen ist versprochen, und so zog also Baugi mit Bölwerk zum Hofe seines Vaters.

Natürlich lehnte dieser strikt ab; etwas vom Met auszuschenken - er war viel zu wertvoll für irgend einen Dahergelaufenen! Bestürzt traten die beiden Bittenden wieder den Heimweg an; doch gerade, als sie den Hof des Suttung verlassen hatten, kam Bölwerk ein Einfall. Er nahm sich seinen Gefährten bei Seite und gemeinsam heckten sie einen Plan aus...
In der Nacht darauf schlichen sie sich durch die Wälder am Fuße des Hnitberges. Im Schutz der Dunkelheit zückte Bölwerk einen Hand-Bohrer und sagte Baugi; er solle den Fels durchbohren, bis er in der Höhle angekommen sei. Dieser setzte zwar an, bekam es aber allmählich mit der Angst zu tun, seinen eigenen Vater dermaßen zu hintergehen. Also tat der Riese nur so, als bohre er ganz durch - dabei bohrte er das Loch nur bis zur Hälfte. Er wollte Bölwerk hinein schlüpfen lassen und dann schnell einen Felsen auf das Bohrloch legen, um seinen Gefährten einzusperren. Aber als Bölwerk schließlich nur noch schnell die Späne aus dem Loch pusten wollte, flogen sie ihm entgegen - da war er dem Verräter auf die Schliche gekommen und schnauzte ihn an, er solle gefälligst ganz durch bohren! Kleinlaut setzte Baugi erneut an, und als Bölwerk wieder hindurch blies, flogen ihm die Späne nicht entgegen, sondern in die Höhle hinein.
Daraufhin verwandelte sich Bölwerk in eine Schlange und kroch durch das schmale Loch in die Höhle. Baugi wollte ihn noch mit dem Bohrer erstechen, doch er verfehlte das schmale Tier, das auch schon fast ganz in der Höhle verschwunden war...
Dort unten aber traf Odin, der sich wieder zurück verwandelt hatte, auf die schöne Gunnlöd, die ja von ihrem Vater als Wächterin des Mets eingesetzt wurde. Odin schien gerade in der Klemme zu stecken, wenn er nicht auch noch so ein Frauen-Held gewesen wäre... er verführte die zarte Riesen-Maid, noch bevor sie Alarm schlagen konnte, und schlief ganze 3 Tage mit ihr!
Nachdem der junge Gott also drei ganze Tage mit seiner Liebschaft ge*****t hatte, da war er natürlich kaputt. Die Riesin, die hin und weg war von den Fähigkeiten Odins, dachte nicht mehr an ihre Aufgabe und gewährte Odin für jeden Tag, den sie zusammen verbracht hatten, einen einzigen Schluck vom leckeren Met. Doch Odin wäre nicht Odin wenn er auch hier kein Ass im Ärmel hätte! Der äußerst Trinkfeste leerte mit einen Zug des großen Pott Odrorir, mit dem zweiten Zug Bodn und mit dem dritten Son! Den Met in seinen roten Wangen tragend streifte sich Odin rasch seinen Feder-Mantel über, der ihn in einen Adler verwandelte. Majestätisch erhob er sich in die Luft und zischte aus der Höhle hinaus - während Gunnlöd noch im Bett lag und ruhte...

Wo Odin also aus der Höhle hinaus flog, um den Met in das sichere Asgard zu bringen, überflog er auch den Hof Suttungs, der direkt vor dem Eingang der Höhle lag. Da entdeckte der Riese und rechtmäßige Besitzer des Tranks des Dieb - zufälliger weise besaß auch er einen solchen Feder-Mantel, streifte ihn sich in aller Eile über und erhob sich in die Luft. Da begann eine wilde Verfolgungs-Jagd zwischen den beiden Adlern. Kreuz und quer durch die Lüfte, viele Tage und Nächte hetzte Suttung den Odin. Endlich kam Asgard in Sichtweite; und die Wachen der Götter standen schon am Wehr-Zaun - normaler Weise, um Riesen abzuwehren, doch nun war es ihre Aufgabe, den Verfolger fern zu halten. Während sie also mit Speeren und Äxten und Pfeilen den riesenhaften Adler von der Festung der Asen fern halten konnten, schaffte es Odin zwar müde, aber unverletzt hinein. Dort übergab er den Asen; seinen Söhnen und Töchtern, den heiligen Met - und seitdem sind die Götter weiser und begabter als jeder andere.

Während der Verfolgungs-Jagd durch die Lüfte aber war es dazu gekommen, dass Odin als Adler den ein oder anderen Tropfen Met hatte fallen lassen - diese waren hinunter nach Midgard gestürzt. Dort wurden diese Pfützchen Met irgendwann von Menschen gefunden. Neugierig, wie Menschen nun mal sind, probierten sie den goldenen Saft - wer von ihm naschte, der wurde zu einem im ganzen Land geliebten Sänger, Dichter oder Gelehrten.
Aber die Menschen versuchten auch, den Met nach zu machen... nie konnten sie ihn genau so hinbekommen, wie jener, den die Asen bei sich haben; der aus dem Blut des weisen Kvasir gebraut wurde. Und doch hat auch dieser Met, den wir heute noch trinken, wahrlich magische Kräfte...

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